Rette Deine Videos. Folge 1: Super-8 Filme optimal archivieren.
Viele von Ihnen, liebe Leser, sind seit Jahren begeisterte Hobby-Filmemacher. Ich freue mich immer über die Zuschriften zu diversen Videosystemen. Es ist tatsächlich so, dass regelmäßig Videosysteme verbessert werden. In den 80ger Jahren kam der Schritt vom Film (Super-8) zum analogen Video (VHS, Video-8, VHS-C). In den 90gern kam das digitale Video (Mini DV, Digital-8), in den 00er Jahren HD und vermutlich in den 10er Jahren 3D. Diese Veränderungen sind gut, da die Möglichkeiten Erinnerungen festzuhalten in Form von Video immer weiter optimiert werden und gleichzeitig preislich erschwinglich bleiben. Doch es bedeutet auch, dass man als Hobbynutzer nicht auf das “optimale Videosystem” warten kann. Es wird schlicht und ergreifend irgendwann ein besseres System geben. Nutzen Sie also das aktuelle, für Sie optimale System und schauen Sie beizeiten darauf, Ihre wertvollen Aufnahmen auf das neuere System zu übertragen.
Dies hat noch einen zweiten Vorteil: Videomaterial ist nicht ewig haltbar. Auch wenn es bis zu 100 Jahre lang halten kann, wird Filmmaterial bei nicht optimaler Lagerung schon nach 20-30 Jahren brüchig, das Band der VHS oder DV Kassette verliert nach 10+x Jahren sein Daten. Optische Medien, wie DVD oder BluRay halten bei nicht optimaler Lagerung auch nur 10-20 Jahre und Festplatten können schon nach einigen Jahren defekt sein. Die Lösung: Archivieren Sie Ihre Filme optimal. Wie das funktioniert, erfahren Sie in dieser Serie.
Der Anfang: Film
Ich zeige Ihnen in dieser Serien-Episode die Archivierung des Formates, mit dem die Hobbyfilmerei so richtig begonnen hat: Der Film. Viele von Ihnen werden noch einige Filme auf dem Dachboden stehen haben. Entweder aus der eigenen Kindheit, gedreht von den Eltern, oder selbst in jungen Jahren erstellt. Häufig ohne Ton, in der Anfangsphase sogar in schwarz-weiss, aber unersetzbar, denn jeder Film ist Dank der gebannten Erinnerungen ein Unikat. Sicherheitskopien einzelner Filme gibt es praktisch nicht, denn es war ziemlich aufwändig, eine Kopie zu erstellen. Die Erinnerungen, die sich auf diesem Filmstreifen befindet, sollte aber unbedingt bewahrt werden. Sie sollten sich mit der korrekten Archivierung nicht zu viel Zeit lassen, denn das Filmträger-Material wird mit den Jahren träge und porös, sodass bei falscher Lagerung die Erinnerung im wahrsten Sinne des Wortes zu Staub zerfällt.
Der Film nimmt in der Reihe der Systeme eine Sonderstellung ein, denn die Sicherung auf dem Trägermaterial ist nicht nur analog, sondern auch optisch. Es handelt sich bei einem Film um kleine Bilder, die in unterschiedlich hoher Geschwindigkeit abgespielt werden. Diese Bilder sind mit dem bloßen Auge zu erkennen. Um dieses Material optimal archivieren zu können, benötigt man eine Idee über das Ausgangsmaterial.
Der Film hat eine vergleichbar hohe Auflösung. Nicht umsonst wird auch heute noch in Hollywood mit den belichteten Filmstreifen gearbeitet. Doch während die Stars auf 35mm breiten Filmstreifen abgelichtet werden, drehten die Hobbyfilmer zuhause in der Regel mit 8mm Material. Diese kleinen Filmchen haben es aber in sich. Die Auflösung liegt etwas unter der HD Auflösung, aber über der klassischen TV Auflösung (auch SD genannt). Das muss man sich einmal klar machen: Mit Super-8 Filmen konnten die Hobbyfilmer in einer Auflösung drehen, die in der Video-Ära 30 Jahre lang nicht erreicht werden konnte. Aus diesem Grund kann das Super-8 Material auch erst seit einigen Jahren optimal archiviert werden, denn jede Speicherung von Super-8 Material in SD-Auflösung (DVD, Mini-DV) bedeutet eine Verringerung der Auflösung. Das Ziel einer guten Archivierung ist es aber, dass Material mit möglichst geringen Verlusten auf ein aktuelles System zu übertragen (und dort zusätzlich ein Backup zu erstellen). Stellen Sie sich bei der Archivierung stets die Frage “Habe ich immer noch ein optimales Material, wenn das Quellmaterial (Film) durch die Lagerzeit zerstört wird und ich auf das archivierte Material (z.B. HD Video) zurückgreifen muss ?“.
Es hat sich in den Jahren allerdings nicht nur die Auflösung der Videos verändert. Weitere Faktoren sind:
- Aspect ratio – das Seitenverhältnis (früher 4:3, heute 16:9)
- Ton
- Bildrate (heute 25 oder gar 50 Bilder pro Sekunde)
- Halb- und Vollbilder
Um optimal zu archivieren, sollte man sich also auch diese Fragen beantworten.
1. Aspect ratio
Bis vor ein paar Jahren hat der Hobbyfilmer im Seitenverhältnis 4:3 gedreht. Sowohl im Film, also auch im Videobereich war dies das genutzte Seitenverhältnis. Auch Fernseher waren im Verhältnis 4:3. Spätestens seit dem Einzug des HD-Formats ist dies anders. Zusammen mit Flachbildschirmen hat das “Breitbild”-Format 16:9 in die Wohnzimmer Einzug gehalten. Mehr dazu gibt es unter Aspect ratio. Altes Material sollte so archiviert werden, dass möglichst alle Informationen erhalten bleiben. Das bedeutet für ein HD Video, dass bei einem 4:3 Bild rechts und links schwarze Streifen zu sehen sind. Sollte Ihnen das nicht gefallen, können Sie das in HD konvertierte Material nachträglich (bei einer Kopie) proportional etwas vergrößern (ca. 133%) und es so an die Breite anpassen. Bei dieser Variante verlieren Sie aber oben und unten Bildinformationen. Archivieren Sie also die 4:3 Version und nutzen Sie (wenn Sie mögen) eine 16:9 Version. Es gibt auch Anbieter, die die Bildinformationen zwischen der Filmperforation mit auslesen können, denn manche Kameras haben auch diesen Bereich mit belichtet. Sollten Sie die Möglichkeit haben, speichern Sie auch diesen Bereich mit, dann haben Sie fast ein 16:9 Bild, ohne dieses beschneiden zu müssen.
2. Ton
Manche Hobbyfilmer waren schon in den 70ger Jahren sehr fortschrittlich und haben zusätzlich zum Bild auch Ton mit aufgezeichnet. Diesen sollten Sie unbedingt mit archivieren. Ton benötigt verhältnismäßig wenig Speicher. Sparen Sie daher nicht an der Qualität und archivieren Sie unkomprimierten Ton ein einer Datei (z.B. WAV, AIFF), nutzen Sie kein komprimiertes Format, wie z.B. MP3. Sollten Sie im Quellmaterial getrennte Tonspuren finden (z.B. Spur 1: Sprache, Spur 2: Musik), behalten Sie diese Spuren unbedingt getrennt und mischen Sie diese lieber, wenn Sie die Filme konkret nutzen möchten (z.B. für eine DVD).
3. Bildrate
Die Bildrate besagt, wie viele Bilder pro Sekunde abgespielt werden. Ab etwa 15 Bildern pro Sekunde (BPS oder FPS für frames per second) erkennt das menschliche Auge eine Bilderserie als fliessende Bewegung.
Während wir heute Bildraten mit 25 Vollbildern pro Sekunde haben (zum Teil auch 50 Vollbilder pro Sekunde), wurden Filme wurden damals durchschnittlich mit 15 Bildern pro Sekunde aufgezeichnet. Wenn das Ausgangsmaterial 15 Vollbilder pro Sekunde ist, und eine HD-Kamera mit 25 Bildern diese Bilderserie abfilmt, übernimmt die HD-Kamera automatisch die Bildraten-Anpassung. Das wird nicht optimal aussehen -schon gar nicht, wenn man im Halbbildverfahren (interlaced, z.B. Mini DV, DVD) aufzeichnet. Besser ist es, die 15 Einzelbilder auch einzeln abzuspeichern. Die 10 fehlenden Bilder können dann mit speziellen Programmen aufwändig berechnet werden, was deutlich besser aussieht. Es gibt einen Anbieter, der diese Einzelbild-Ketten liefern kann (siehe Interview weiter unten).
4. Halb- und Vollbilder
Was ein Halbbild und was ein Vollbild ist, lesen Sie in dem entsprechenden Artikel Vollbild und Halbbild. Das Ausgangsmaterial bei einem Film ist immer ein Vollbild. Speichern Sie daher den Film auch auf jeden Fall als Vollbild ab, wenn Sie auf ein neues System konvertieren. Das beim herkömmlichen TV übliche Halbbild ist kein passendes Format.
Interview

Eckhard Behme
Die Firma Schmalfilm-Archiv aus Berlin bietet ein einzigartiges Verfahren an, Filmmaterial in ein neues Format zu konvertieren. Für selbstgedrehte-videos.de hat sich der Inhaber, Herr Behme, für ein Interview bereit erklärt.
Selbstgedrehte-Videos.de:
Herr Behme, wie sind Sie auf die Idee gekommen, alte Filme zu sichern ?
Schmalfilm-Archiv.de:
Ich suchte ein gutes Verfahren für meine eigenen Filme. Durch Kontakte im Film-und Fotobereich (ich war Marketing Manager für Leica in Kanada) fand ich dann das passende System in den USA. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland verwandelte ich mein Hobby in ein Geschäft. Das war vor etwa 10 Jahren.
Selbstgedrehte-Videos.de:
Sie wandeln die Filme in Einzelbilder um. Hierbei kommt ja auch spezielle Technik zum Einsatz. Wie funktioniert die und wie schnell können Sie damit die Bilder wandeln?
Schmalfilm-Archiv.de:
Film ist das ultimative “progressive” Format, denn er besteht ja aus einzelnen Dias. Eine Digitalisierung sollte diese Charakteristik aufrecht erhalten. Zunächst also wird jedes Filmbild als 1080p Einzelbild von der vergrößerten Filmbühne auf einen Hochleistungsrechner übertragen. Erst dort werden Geschwindigkeitsanpassung oder endgültige Auflösung bestimmt. Das erlaubt eine Vielzahl von Ausgabeformaten, von denen der Kunde dann DVD, Blu-ray bis hin zu facebook oder iPhone ausgeben kann.
Wir liefern die Filme als AVIs im progressiven Motion-JPEG Codec. Da man aber nicht weiß, auf welchem Betriebssystem die Filme in Zukunft bearbeitet werden, bieten wir nun auch Bildsequenzen (Numbered Image Sequence) an. In Praxis besteht dann ein 120m Super8 Film aus etwa 30-tausend JPEGs. Alle modernen Schnittprogramme können diese Sequenzen importieren und bearbeiten.
Selbstgedrehte-Videos.de:
Auf Ihrer Webseite schreiben Sie mehrmals, dass die DVD kein ideales Archivmedium sei. Warum?
Schmalfilm-Archiv.de:
Als reines Wiedergabeformt ist die Video-DVD durchaus noch brauchbar, wobei Kauf-DVDs allerdings von den selben hochauflösenden Originalen abgeleitet werden wie Blu-rays. Sie besitzen also quasi eine Full-HD DNA. Das ist bei einer stark komprimierten 400K Schmalfilm-Überspielung nicht der Fall. Man sollte stets hochwertig digitalisieren und erst später auf DVD runtergehen.
Selbstgedrehte-Videos.de:
Sie liefern die Filme also in Full-HD. Da das 8mm Format ja doch sehr klein ist und viele Filme sicherlich nicht 100% scharf sind, lohnt sich das denn überhaupt?
Schmalfilm-Archiv.de:
Ob 8-oder 16mm Film nun eine Auflösung von 1 oder 2 Millionen Pixel “hergeben” ist eigentlich weniger ausschlaggebend, als die Zielauflösung des Fernsehers und die wird wohl noch eine Weile bei 1920×1080 liegen. 576p oder 720p müssen erst hochgerechnet werden. Bei einer 1080p Datei hingegen entspricht jedes Film-Pixel bereits einem Bildschirm-Pixel. Ein offensichtlicher Vorteil, jetzt und in Zukunft.
Selbstgedrehte-Videos.de:
Nehmen Sie irgendwelche Farbkorrekturen vor?
Schmalfilm-Archiv.de:
So viel wie notwendig, so wenig wie möglich. Natürlich wird ein Weißabgleich vorgenommen, aber jeder Szene individuell nachzujagen ist meiner Meinung nach sinnlos, denn Farbe ist letztlich auch subjektiv und hängt vom Wiedergabesystem ab. Statt den Originalen unsere Farbvorstellungen permanent aufzuzwingen, überlassen wir die endgültige Korrektur dem Kunden, denn Programme wie Adobe Premiere Elements 9 (mein Favorit) sind dafür wunderbar ausgelegt.
Selbstgedrehte-Videos.de:
Sie sehen jeden Tag viele unterschiedliche Filmmaterialien. Wie lange hält Ihrer Meinung nach ein durchschnittlicher Film und ab wann sollte man eine Sicherung anlegen ?
Schmalfilm-Archiv.de:
Wenn man Material aus den 30er Jahren bearbeitet, das auch noch heute scharf und brilliant ist, kann man nur hoffen, dass digitale Daten eine ähnliche Standfestigkeit besitzen. Wenn Filme trocken gelagert wurden, kann man davon ausgehen, dass sie in guter Verfassung sind. Ernsthaft gefährdet sind Filme erst, wenn sie nach Essig riechen. Dann sollte man sofort handeln. Ich sehe das Digitalisieren weniger als “Rettungsmaßnahme”, sondern als eine tolle Möglichkeit, den alten Filmen eine aktive, lebendige Zukunft zu sichern.
Selbstgedrehte-Videos.de:
Wer zählt zu ihren Kunden – sind es eher die Leute von früher, die selbst gefilmt haben, oder eher eine jüngere Generation ?
Schmalfilm-Archiv.de:
Eiegntlich beide. Die alten “Filmhasen”, die endlich Zeit haben, ihre Erinnerungen aktiv zu genießen und geordenet weiterzugeben. Aber auch Kinder und Enkel, die erkennen, um welche Schätze es sich bei den Filmen ja handelt. Und wenn es zu einer Zusammenarbeit der Generationen kommt, gewinnt jeder.
Selbstgedrehte-Videos.de:
Sie betrachten die Filme beim Kopiervorgang. Sehen Sie einen Unterschied zwischen dem Filmstil damals und heute ?
Schmalfilm-Archiv.de:
Beim Filmen hatte man stets nur wenige Minuten zur Verfügung und versuchte daher, kurz und aussagekräftig zu drehen. Heute würde man das wohl “in-camera editing” nennen. Bei Video scheint leider oft das Gegenteil zuzutreffen: Man schießt auf Vorrat und Verdacht und schneidet hinterher das beste raus. Oder plant es zumindest. Ich selbst habe noch 29 Stunden Video aus den ersten drei Jahren (!) meiner Tochter zu schneiden.
Sehr interessant finde ich die filmischen Unterschiede zwischen den beiden Teilen Deutschlands: Im Westen wurde weitgehend auf “Event-Basis” gefilmt, also Festtage und Urlaube. In der “Ehemaligen” , wo man nicht so weit reiste, filmte man dagegen oft bei Oma oder in der Datsche. Technisch zwar nicht so doll (der alte Orwo Film war etwas matschig), aber meist sehr intim und persönlich.
Selbstgedrehte-Videos.de:
Ihr Job verlangt natürlich eine gewisse Diskretion, aber vielleicht verraten Sie es doch: Ist Ihnen ein Film besonders in Erinnerung geblieben ?
Schmalfilm-Archiv.de:
Absolute Diskretion, denn es handelt sich ja um private Momente!
Aber einen Film darf ich mit Ihren Lesern teilen:
- Szene: Der neue Trabbi ist angekommen! Hellblau. Alle stehen mit freudiger Erregung um den Wagen herum.
- Szene: Selber Ort und selber Trabbi, doch nun ist die gesamte Kühlerhaube hufeisenförmig eingedrückt. Betroffenheit auf allen Gesichtern, besonder dem der Mutter.
- Szene: Mehrere Simson Mopeds, jeweil mit zwei Leuten an Bord, qualmt eine Allée entlang in Richtung…..
- und letzte Szene: “Der Baum” , umgeben von Trabbiteilen und zerbrochenem Glass. Hier ist es also geschehen! Gottseidank nur Blechschaden!
Dass der Mann die Fassung besaß, diese Familientragödie (Ersatzteile waren wahnsinnig schwer zu bekommen!) so humorvoll auf Film zu bannen, finde ich einfach sagenhaft!
Selbstgedrehte-Videos.de:
Was kostet die Sicherung und wie können die Leser ihr eigenes Material optimal für Sie vorbereiten (z.B: bestimmte Spulen..) ?
Schmalfilm-Archiv.de:
Die Preise versuche ich auf meiner Webseite zu erläutern, was aber angesichts der vielen Möglichkeiten nicht ganz einfach ist. Also, am besten anrufen.
Was die Vorbereitungen betrifft, ist es hilfreich, die Filme vorher chronologisch zu sortieren und nummerieren. Also, ran an den Schrank und Schätze sichten!
Selbstgedrehte-Videos.de:
Herr Behme, vielen Dank für das Gespräch.
Schmalfilm-Archiv.de:
Ich danke Ihnen auch und wünsche Ihren Lesern viel Freude und Erfolg beim Filmen!
Übrigens: Wer sich für alte Kameras interessiert, kann bei dem kleinen Kameramuseum von Herrn Behme vorbei schauen und dort die ganz alten Marken entdecken.
Wie Sie die Einzelbilder von Schmalfilm-Archiv.de in HD-Filme umwandeln, erfahren Sie im zweiten Teil.



[...] der Filme in digitale Einzelbilder gibt es ein deutsches Unternehmen. Die Details habe ich im ersten Teil ausführlich beschrieben. Jetzt geht es um die Umwandlung. Mein [...]