11 Tricks, wie Sie entspannter Videos drehen
Heute ist der große Tag. Sie sind gut vorbereitet und kennen die Drehorte. Sie wissen, was Sie auf jeden Fall fragen möchten und Sie haben auch schon eine Idee, wie Sie die fest eingeplanten Ereignisse filmisch umsetzen. Es kann losgehen. Doch bevor Sie Ihre Ausrüstung nehmen, lesen Sie in diesem Teil noch ein paar Tipps, die Ihnen bei der Arbeit helfen können.
Kein Wassertropfen oder Staub auf der Linse

Linse verschmutzt: Falscher Autofokus
Entweder der Autofokus stellt auf den Wassertropfen scharf oder man sieht den Wassertropfen im Film (besonders bei HD Videos). Das kommt nicht gut. Kaufen Sie sich beim Optiker ein Mikrofasertuch, um die Linse sauber zu halten. Taschentücher sind sinnlos, die hinterlassen kleine Fussel. Wer einen Weitwinkel oder einen Konverter vor seine Linse dreht, sollte darauf achten, dass sowohl die Kameralinse als auch der Aufsatz von beiden Seiten gereinigt ist. An den kleinen Kamerabildschirmen übersieht man schnell den Schmutz auf der Linse, auf dem Fernseher wird ihn aber jeder sehen.
Material nicht vor Ort anschauen
Es gibt keinen Grund, gedrehtes Material noch am Ort zu sichten. Sind Sie unsicher, dann drehen Sie die Szene noch einmal. Lässt es sich nicht wiederholen, können Sie ohnehin nichts mehr ändern. Das Problem ist, dass einige Videoformate mit Timecodes arbeiten, also jedem aufgezeichneten Bild eine Zahl zuordnen.Wenn Sie jetzt auf einer DV-Kassette drehen, in das Material schauen und später wieder aufzeichnen, kommt es oft vor, dass der Zähler von neuem beginnt. Diese so genannten Timecode-Sprünge sind problematisch, wenn Sie das Material in den Schnitt-PC einladen. Außerdem kommt es manchmal vor, dass man durch das Sichten vor Ort an irgendeiner Stelle des Bandes stoppt und dann aus Vergesslichkeit die besten Bilder überspielt. Dieses Problem haben Sie übrigens nicht, wenn Sie auf einer DVD, einer Speicherkarte oder der Festplatte aufzeichnen.
Der Stopptrick
Es ist eine Frage der Mode und des persönlichen Geschmacks, ob man Stopptricks einsetzt — oder nicht. Bei einem Stopptrick wird die Aufnahme gezielt gestoppt und später wird weiter aufgezeichnet. Vielleicht kennen Sie das aus diesen alten Märchenfilmen, die immer in der Weihnachtszeit laufen. Zum Beispiel verschwindet auf einmal die böse Hexe. Diesen Filmtrick können Sie einfach umsetzen. Man benutzt am besten ein Stativ, denn es ist wichtig, die Kamera still zu halten. Ansonsten fällt der Trick auf.
- Bitten Sie eine Person, sich vor die Kamera zu stellen.
- Jetzt nehmen Sie fünf Sekunden lang das Bild auf. Kamera stoppen.
- Bitten Sie die Person aus dem Bild zu gehen. Jetzt zeichnen Sie wieder auf.
Im Film später sieht es so aus, als wäre die Person auf einmal verschwunden. Dieser Trick empfiehlt sich, wenn Sie mehrere Dinge zeigen wollen. Wenn die Braut zum Beispiel bei der Kleideranprobe mehrere Modelle vorführt, stellen Sie die Kamera vor die Umkleide. Immer, wenn sie mit einem neuen Kleid aus der Kabine kommt, drehen Sie die Braut, bis sie wieder verschwindet. Dann stoppen Sie die Kamera. Im Film sieht es dann aus, als würde sie sich blitzschnell umziehen.
Spiegel richtig nutzen
Halten Sie Ausschau nach Spiegeln. Sie können damit das Bild entweder verschandeln oder — richtig genutzt — verbessern. Wichtig ist, dass Sie niemals in einem Spiegel zu entdecken sind, das sieht der Zuschauer sofort. Vermeiden Sie es daher, frontal einen Spiegel zu drehen. Ausnahme ist, wenn Sie ein Videotagebuch drehen und der Hauptdarsteller sind. Oft findet man Spiegel, die das Bild verbessern. Wie wäre es, wenn der O-Ton-Geber seitlich am Spiegel steht und so auch von hinten zu sehen ist? Bauen Sie den Spiegel als künstlerisches Element ein. Die Braut kleidet sich gerade an. Sie drehen ein Kinderfoto von ihr, das an der Wand hängt, direkt daneben befindet sich ein Spiegel. Darin sieht man, wie sie sich umzieht. Der Zuschauer verbindet das kleine Mädchen auf dem Foto mit der Braut, die sich anzieht.
Zwischenbilder (Schnittbilder)
Bilder, die mit der eigentlichen Handlung nichts zu tun haben, nennt man Zwischenbilder oder Schnittbilder. Man kann sie gut im Schnitt nutzen, wenn zwei Bilder nicht richtig hintereinander passen. Beispiel: Zwei Mütter sitzen auf einer Bank an einem Spielplatz. Die Kinder tummeln sich im Sandkasten. Die Mütter unterhalten sich (= eigentliche Handlung). Ein mögliches Zwischenbild wäre ein spielendes Kind. Oft werden Hände einer sprechenden Person als Zwischenbild genutzt. Schauen Sie sich einfach vor Ort um und nehmen Sie ab und zu so ein Bild auf. Auch wenn sich damit grobe Fehler etwas mildern lassen: Ein Zwischenbild ist nur die Notvariante. Die eigentlichen Bilder müssen Sie dennoch drehen.
Geschichten drum herum
Die Braut kommt zu spät, weil der Brautstrauß fehlte? Der Bräutigam lässt vor dem Altar den Ring fallen? Die Trauzeugin hat das Brautkleid selbst geschneidert — und es reißt? Besser kann es nicht laufen, vorausgesetzt, Sie haben diese kleinen Geschichten aufgezeichnet. Sie geben dem großen Ereignis die Würze. Meistens ist es reine Glückssache, wenn man die Gelegenheit bekommt, ein derartiges Missgeschick mit der Kamera einzufangen. Machen Sie sich also nicht zu viele Sorgen, wenn es nicht immer klappt. Das bedeutet für Sie: Sie müssen zum Spürhund werden. Halten Sie die Augen offen. Vielleicht fällt Ihnen als erster auf, dass die Hochzeitstorte zu kippen beginnt. Halten Sie drauf und denken Sie daran, möglichst noch in der Situation O-Töne einzufangen.
Leute begleiten
Wenn es möglich ist, begleiten Sie die Hauptperson durch die Geschichte. Das ist eine einfache Möglichkeit, einen Film aufzubauen. Er bekommt dann den Charakter einer Reportage. Der Zuschauer findet in der Person eine Figur, die er immer wieder erkennt. Er nimmt an dem Schicksal teil und fiebert so mit. Beim Hochzeitsdreh werden Sie wahrscheinlich Braut und Bräutigam begleiten.
Voxpops

Wenn ein Ereignis passiert, dann befragen Sie nicht nur die Hauptpersonen. Auch andere Leute waren dabei und haben eine eigene Meinung. Die normale TV-Straßenumfrage, bei der verschiedene Leute sprechen, wird Voxpops genannt. So ein Block kann Ihren Film auflockern, ihn abwechselungsreicher machen. Außerdem ist es eine gute Möglichkeit, die vielen Leute zu zeigen, die anwesend waren. Fragen Sie immer zu einem bestimmten Thema und stellen Sie immer die gleichen Fragen. Voxpops-Fragen bei der Hochzeit könnten sein:
- Was war für Sie am ergreifendsten an der Trauung?
- Wie möchten Sie bei Ihrer Hochzeit aussehen?
- Wie soll Ihre Braut aussehen?
- Was wünschen Sie dem Brautpaar?
Denken Sie bei den Voxpops daran, dass zumindest einer in einem vollständigen Satz antwortet. Den setzt man im Schnitt an den Anfang. Danach reicht es, wenn die Leute nur in Stichworten antworten. Der Zuschauer weiß ja bereits von der ersten Antwort, worum es geht. Drehen Sie die Leute mal rechts und mal links ins Bild eingesetzt, das wirkt im geschnittenen Film besser.
Datenträger beschriften

Es klingt vielleicht banal, aber es ist wichtig, seine Kassetten, Speicherkarten oder DVDs ausreichend zu beschriften. Sinnvoll können folgende Angaben auf dem Speichermedium sein:
- Projektname
- Durchlaufende Projektnummer (für das Archiv)
- Datum
- Nummer der Kassette/DVD/Speicherkarte
- Angabe, wie viele Speichermedien zum Projekt gehören
Somit überblicken Sie vor Ort immer, wie viel Material schon gedreht wurde und ob Sie eher mehr oder weniger drehen müssen. Außerdem wissen Sie so, dass keine Datenträger verloren gegangen sind. Besitzen Sie ein Archiv, hilft Ihnen die Beschriftung ebenfalls. Würden Sie alle vollen Videobänder oder DVDs in eine Kiste werfen, würden Sie garantiert kein Band mehr wieder finden, wenn Sie es brauchen.
Geschichte im Auge behalten
Vor Ort gibt es immer viele schöne Bilder, die nicht direkt zu der Geschichte gehören. Natürlich ist es verlockend, bei einer Hochzeit die geliehene Strech-Limousine ausgiebig zu filmen. Doch später wird die geöffnete Motorhaube des Wagens kaum Platz im Film finden. Das Innenleben des Wagens ist auch wieder eine andere Geschichte. Sparen Sie sich deshalb solche Extrabilder, sie bedeuten nur Arbeit sowie Zeitund Materialverlust. Überlegen Sie sich vor jeder Szene, ob Sie diese Bilder benötigen und ob sie zur Geschichte gehört, oder eine passende Nebengeschichte ist. Sie werden so viel Drehmaterial sparen. Das verkürzt den Schnitt und hilft Ihnen beim Dreh, die eigentliche Geschichte im Auge zu behalten.
Gesichter zeigen
Wer einen Menschen im Film sieht, den er noch nicht kennt, der will das Gesicht dieser Person sehen. Fehlt das, fühlt man sich als Zuschauer unwohl. Krimisendungen zeigen z.B. lange nicht das Gesicht des Mörders, aber sehen würde man es gern. Wenn die Krimiproduzenten also Personen drehen, dann maximal von der Seite. Menschen, die man nicht kennt und die wichtig für das Bild sind, zeigen Sie immer von vorne, oder zumindest vorher kurz von vorne. Testbild am Bandanfang Dieser Tipp gilt für Bandsysteme. Wollen Sie ein neues Band nutzen, dann zeichnen Sie die ersten 15 Sekunden nichts Wichtiges auf. Entweder Sie lassen die Schutzkappe auf der Linse und drehen so ein schwarzes Bild oder Sie nutzen ein Testbild (bietet nicht jede Kamera). Grund: Soll das Material später eingeladen werden, benötigen einige Schnittprogramme ein paar Sekunden, um mit der Aufnahme beginnen zu können. Ein Testbild hat den Vorteil, dass man kontrollieren kann, ob die Farben des Bildschirms stimmen. Das benötigt man später im Schnitt für die Farbkorrektur.

