Übung: Kameraperspektiven
Die Theorie ist klar, allein es fehlt die Praxis. So ist das am Anfang. Mit der Zeit werden Sie merken, dass Ihre Bilder ruhiger werden und Sie sich weniger stark konzentrieren müssen, wie man am besten steht oder wie das Zoomen geht. Irgendwann drehen Sie die verschiedenen Perspektiven nach Gefühl richtig. Deshalb üben Sie die Perspektiven erst einmal.
Bitten Sie eine weitere Person, Ihnen zu helfen. Nehmen wir einmal an, Sie könnten Ihre Frau dazu verpflichten.
- Zunächst stellt sich Ihre Frau vor Ihnen hin und Sie drehen in der Froschperspektive. Ihre Gattin soll den Kopf nach unten neigen und böse schauen. Jetzt soll Sie mal fluchen, als würde sie jemanden beschimpfen wollen.
- Nach 4 Sekunden Aufnahme gehen Sie in die Vogelperspektive. Dabei kann eine Treppe, eine Leiter oder der Küchentisch helfen (nicht hinunterfallen!). Richten Sie das Bild so ein, dass Sie fast direkt über Ihrer Frau sind. Jetzt soll sie verschämt nach oben in das Objektiv schauen.
- Zeichnen Sie auch das 4 Sekunden lang auf. Wiederholen Sie die beiden Einstellungen nochmals. Schauen Sie sich das Ergebnis an. Es wirkt, als würde Ihre Frau sich selbst beschimpfen. Der Größenunterschied verstärkt den Eindruck. Jetzt testen wir einmal die Augenhöhe. Sie können Ihr Gegenüber interviewen, man sagt auch einen «O-Ton machen».
- Nehmen Sie die Kamera in die rechte Hand und unterstützen Sie sie mit der linken wie bei den Kameraperspektiven beschrieben. Klappen Sie den Kontrollmonitor aus und halten Sie die Kamera so, dass sie auf die Augenhöhe Ihrer Frau gerichtet ist. Gehen Sie notfalls leicht in die Knie.
- Jetzt fragen Sie, was Sie schon immer wissen wollten. Fällt Ihnen nichts ein, soll Ihr OTon- Partner erzählen, was es zum Frühstück gab oder wie der Tag bisher verlaufen ist, ganz egal. Das Interview zeichnen Sie natürlich auf. Achten Sie darauf, die Kamera ruhig zu halten.
Schauen Sie sich das Material an. Das Interview wirkt natürlich, da Ihre Frau nicht direkt in die Kamera spricht, sondern leicht daran vorbei. Das ist die typische Position, in der TV-Interviews gemacht werden. Genauere Informationen zum Dreh eines O-Tons erfahren Sie im Abschnitt …Zweiter Teil: So drehen Sie einen O-Ton richtig“. Jetzt ist die Hüftposition dran. Bitten Sie die Person, noch kurz stehen zu bleiben und nehmen Sie die Kamera vor den Bauch.
Versuchen Sie, im Kameramonitor das Gesicht ins Bild zu bekommen. Sie sehen, dass es irgendwie eine ungünstige Position ist. Nehmen Sie es nicht auf, wir drehen etwas anderes.
Ihre Frau soll jetzt einmal einer Tätigkeit nachgehen. Vielleicht trinkt sie eine Tasse Tee, geht mit dem Hund spazieren oder schneidet sich selbst die Haare. Gehen Sie dabei so weit vom Geschehen weg, dass Sie alles sehen können. Drehen Sie jetzt einfach ein wenig. Wenn sie sich das Material anschauen, sehen Sie, dass diese Kameraposition eine interessante Perspektive bietet. Der Fokus liegt auf dem, was Ihre Frau macht — nicht aber wie bei der Augenhöhe nur auf dem Gesicht.



Ah, supi, vielen Dank